Asien-Reise 1997 / 98

Asien-Reise   Kurzbericht - Reiseroute

Karten

Vom 26.10.1997 – 02.06.1998


NEPAL    28.11. – 03.12.1997

Die von uns geplante Umrundung des Manaslu bekamen wir leider nicht genehmigt. Wahrscheinlich wird z.Zt. noch eine Restdomaene fuer die Reiseveranstalter benoetigt. Wir konnten uns mit den Immigrationsleuten nur auf eine Route suedlich von Manaslu und Ganesh Himal einigen. Aber diese Tour war auch sehr schoen, besonders was den Kontakt zur Bevoelkerung anbelangt.

Zunaechst fuhren wir per PKW nach Gorkha. Wir fanden ein sehr nettes Hotel und unternahmen erst einmal eine Besichtigung des alten Koenigspalastes, ohne Gepaeck. Anderentages marschierten wir los. Zelt und Kocher haben wir mitgenommen, weil wir keine zuverlaessigen Informationen zur Quartiersituation auf der von uns gewaehlten Route erhalten konnten.

Bei klarem Wetter, mit herrlichen Ausblicken auf die Annapurna-, Manaslu- und Ganash Himalgruppe, gings auf bequemen Weg von Gorkha nach Kanchok. Hier mussten wir uns wieder mit nepalischen Quartierverhaeltnissen vertraut machen. Immerhin bekamen wir einen kleinen simplen eigenen Raum. Die Familie feierte gerade das Tikafest als wir ankamen. Da blieb kaum Zeit eine Nudelsuppe fuer uns zu bereiten.

Am Abend erklaerte uns der Wirt voller Stolz seine selbst entwickelte Biogaslampe, bei der er die Gase von der Toilette verwertet. Ein Hiwi muss dabei kraeftig ruehren, dass die Gasblasen aufsteigen. Der sichtbare Erfolg ist gering. Wir haben uns koestlich amuesiert.

Der Weiterweg nach Arughat, und weiter am Buri Gandaki aufwaerts, ist sehr bequem. Eine gute Eingehmoeglichkeit fuer die Inge. Die Buri Gandaki Schlucht ist teilweise recht wild und eindrucksvoll. Kurz vor Labu Bensi geht es auch mal an einer schmalen Felsplatte steil empor, sodass gelegentlich der Gebrauch der Haende erforderlich wird.

Als Quartier hatten wir in Luban Bensi ein Doromity auf einem Balkon. Ausser uns schliefen noch Traeger und Traegerinnen in diesem Doromity. Bei dieser Gelegenheit erlebten wir ein Geschaeft in Sachen Sex auf Nepaliart.

Der Hausel und Tellerwaescher wollte sich eine der Traegerinnen fuer die Nacht kaufen, und blaetterte ihr seine gesammten Ersparnisse auf. Die Traegerin zaehlte mehrmals nach, aber offenbar war ihr die Summe zu niedrig. Ihre Traegerkolleginnen und die Wirtin waren in die Beratungen zum Geschaeft mit eingebunden. Danach wurde der Typ aufgefordert sich zu waschen. Das Geld ging einstweilen zurueck.

Das Ergebnis der Waschung war nicht befriedigend. Trotzden liess sich die Traegerin die Geldscheine nochmal geben und zaehlte nochmal nach. Alles unter Anteilnahme der Oeffentlichkeit. Aber die Scheine waren nicht mehr geworden. Das Geldscheinpaket ging an diesem Abend noch mehrmals hin und her. Es wurde immer wieder gezaehlt. Man merkte, das Geld haette die Traegerin gern genommen ( und moeglichst noch etwas mehr ) aber den Typ mochte sie nicht. Das Geschaeft kam nicht zustande.

Die Qualitaet unserer Quartiere war Wechselhaft. Aber insg. wurde alles zunehmend bescheidener. Waschgelegenheiten nur noch am Fluss oder z.T. garnicht. Die heissen Quellen von Tatopani bildeten eine Ausnahme. Die Bevoelkerung war durchgehend sehr freundlich. Die Verpflegungsauswahl reduzierte sich auf Kekse, Nudelsuppe und Dal Bath. ( Reis mit Linsensosse )

Bei Jagat beginnt normalerweise die Sperrzone. Unser Permit hatte den Vermerk
"Sperrzone nicht Zugelassen". Aber ich hatte 2 Orte eingeschmuggelt die in der Sperrzone liegen. Nach zaehen Verhandlungen konnten wir weiter gehen. Allerdings wussten wir bereits zu diesem Zeitpunkt, dass der suedlich des Manaslu liegende Rupina La fuer uns nicht moeglich sein wuerde. Der fruehe Wintereinbruch hatte eine dicke Schneedecke ueber dieses Gebiet ausgebreitet. 7 Tage ohne Spur durch eine wilde, voellig unbesiedelte tief verschneite Gebirgslandschaft, darauf waren wir nicht eingerichtet.

Einige Gruppen die die Umrundung abgebrochen hatten waren uns schon begegnet. Sie berichteten, dass bereits bei Soma Gompa eine dicke Schneedecke vorhanden sei. Vielleicht hatten sich die Immigrationleute selber in die Finger geschnitten. Sie hatten uns die 1200.-DM fuer das teure Permit gespart. Wir gingen an diesem Tag noch bis Philim. Hier fanden wir ein bescheidenes Quartier bei einer sehr netten Familie. Am anderen Tag ging ich allein noch 3 Orte weite. Schoene Doerfer die durch ihren Hirseanbau einen besonderen Reiz fuer Farbfotos ausstrahlten.

Dann begann Schneeregen und ich begab mich schleunigst auf den Rueckweg. Hatte nicht einmal einen leichten Poncho dabei. Der gewuenschte Blick zum Manaslu blieb mir durch Wolken versperrt. Am Folgetag begannen wir den Abstieg, den wir innerhalb von 3 Tagen, sehr gemuetlich bis Korla fortsetzten. Dann gings hinauf nach Korlak, wo wir ausserhalb des Dorfes einen sehr schoenen Zeltplatz auf einem gratartigen Grasruecken fanden. Am Morgen herrlicher Ausblick auf den Ganesh Himal.

In Singla, unserem naechsten Etappenziel, fanden wir ein nettes Privatquartier. Die hier lebenden Gurung bauen ihre Zimmerdecken bzw. Fussboeden aus sehr duennen Bambusroehren. Das wippt beim Gehen und aller Schmutz faellt geleich nach unten durch. Da bleibt der Fussboden, auf dem auch geschlafen wird, relativ sauber, bis auf den Russ von der im EG. Liegenden Feuerstelle.

In Leprak war es aehnlich, nur hatten wir das ein kleines separates Haeuschen fuer uns. Wir bewohnten die Etage ueber dem Ziegenstall. Rasthaeuser sind an dieser Strecke nicht vorhanden. So wird der Speiseplan immer spartanischer. In Barbak, dem naechsten groesseren Ort, gibt es dann wieder alles. Die Schweiz baut dort z.Zt. eine kleine Materialseilbahn als Entwicklungshilfe. Dann wird die Versorgung noch besser werden.

Nach 1300 m Abstieg erreichten wir den Daraundi Khola und an diesem entlang folgt die Wegfortsetzung nach Gorkha. Wir hatten noch viele sehr nette Kontakte zur Bevoelkerung und konnten auch mancherlei Wundbehandlung durchfuehrn. Leider hatte Inge eine arg schmerzende Druckstelle am Fuss, sodass wir den Weiterwg nachTrisuli in Arughat abbrachen und nach Salion abstiegen. Eine Flussueberquerung im Foerderkorb und eine recht holperige LKW Fahrt nach Dingla  bildeten den Abschluss der Tour.



BANGLADESH    03.12.97 – 01.01.08

Ankunft in Dhaka

Unser Abflug von Kathmandu wurde mehrmals verschoben. Schliesslich starteten wir 18:00 statt 12:00. Als wir ankamen war es dunkel und am Flugplatz nur das noetigste beleuchtet. Nach sehr harter Landung gings ins Flughafengebaeude, wo die meisten Passagiere unseres kleinen Vogels gleich im Transitraum verschwanden. Wir waren die einzigen Auslaender am Ausgangsschalter und auch an der Wechselbank. Das Datum durfte ich nicht in den Traveller Scheck eintragen, sonst haette man ihn nicht angenommen. Da spekulieren die Bankbeamten privat mit dem Wechsekurs.

Als wir unser Gepaeck abholten war die Halle leer. Wir fuhren unseren Gepaeckwagen vor das Gebaeude. Dort waren wir sofort von einer schwatzenden Meute von Skooterfahrern umringt, die nach unseren Gepaeckstuecken griffen. Ein Polizist mit einem Holzknueppel bahnte uns einrn Weg die Rampe hinab. Im bereits geschlossenen Taxiservice sass noch jemand bei einer erbaermlichen Funsel. Nachdem wir unsere Hotelwuensche erklaert und muehselig einen einigermassen normalen Preis ausgehandelt hatten, liess er sich von einem Taxifahre die Kfz.Nr. geben und registrierte sie vorsichtshalber auf der Rueckseite seines Schreibblockes.
Fuer Skooter ist der Taxiservice nicht zustaendig. Mir schrieb er die Nr. auf die Rueckseite meines Stadtplanes.

Dann ging es in Begleitung des Polizisten zum Fahrzeug. Der Polizist deutete mir die Nr. zu vergleichen. Eine Ziffer fehlte. Versehen oder Absicht ? Ich weiss es nicht. Der Polizist musste uebersetzen, denn die Nummer war in Bangli geschrieben. Der Polizist forderte Trinkgeld. Aber mein kleinster Schein war 100.- Tk. Was darunter lag hatten die Bankleute abgerundet. Ich ergaenzte die Nr. auf meinem Stadtplan.

Dann stiegen wir ein. Mit uns setzten sich einige passagierlose Skooter in Bewegung. So gings dahin. Nach kurzer Strecke erklaerte unser Fahrer, dass er uns zu einem besseren Hotel bringen wolle. Wahrscheinlich das Hotel seiner Provision, miess und teuer. Wir haben uns auf den Handel nicht eingelassen. Dann kam der uebliche vorgetaeuschte Motorschaden auf einem schlecht beleuchteten Streckenabschnitt. Etwas mulmig war es uns schon waehrend der ganzen bisherigen Fahrt, aber jetzt wurde es langsam unangenehm. Innerhalb von Sekunden waren wir von Skootern umringt. Schon griffen einige Haende nach unseren Gepaeckstuecken. Der Fahrer deutete uns, dass wir umsteigen muessten ( nunmehr in ein nicht registriertes Fahrzeug ) und forderte gleichzeitig die Bezahlung.

Da sah ich einen Bus die Strasse daherkommen, der gluecklicherweise anhielt weil die Skooter die Strasse weitgehend versperrten. Er kam so zum Stehen, dass die offene  Eingangstuer direkt neben unserem Skooter lag. Ich riss die Packsaecke aus
dem Skooter ( dummerweise hatten wir unsere Rucksaecke nach der Landung nicht aus den Packsaecken genommen ) und bugsierte sie in den Bus. Aber die wollten uns nicht mitnehmen, weil wir kein Ticket hatten. Es handelte sich um eine Buslinie deren Tickets nicht beim Schaffner, sondern nur an einem Counter erhaeltlich sind.
Ich schob unser Gepaeck weiter ins Wageninnere und machte klar, dass wir nicht aussteigen wuerden. Dabei wusste ich gar nicht wo der Bus ueberhaupt hinfaehrt. Draussen gestikulierten die Skooterfahrer und forderten Bezahlung. Ich drueckte dem Schaffner einen 100.- Tk schein in die Hand und bat ihn die Sache fuer uns zu regeln, soweit das im Sprachwirrwar ueberhaupt moeglich war. Wir haben 30.- Tk bezahlt. Eine angemessene Summe fuer die abgefahrene Strecke.  An einer spaeteren Haltestelle schickte der Schaffner einen Fahrgast zu einem Counter am Strassenrand, zwecks Ticketbeschaffung. Das Restgeld bekamen wir zurueck.

Waehrend der Weiterfahrt konnten wir anhand unseres Stadtplanes die Fahrstrecke und den etwaigen Endhaltepunkt des Busses feststellen. Zum von uns ausgewaelten Hotel waeren es von da noch ca. 3 km durch kleine Strassen gewesen. Wir wollten aber nicht erneut in einen Skooter. Da boten sich 2 Maenner an fuer 10.- Tk unsere Packsaecke zu tragen. Am Endhaltepunkt sagte mir der Schaffner wir, sollten vorsichtig sein. "Securite" hatte er aus seinem Sprachschatz gekramt. Sehr dunkel wars.

Auf der anderen Strassenseite sah ich an einem neuen weissen Haus die Aufschrift  "Dhaka Inn". Ich schnappte beide Packsaecke und die Inge dazu. Wir ueberquerten die Strasse und stuermten in die Rezeption. Das Hotel war sauber, die Preise i.O. und die Leute freundlich. Wie wir spaeter erfuhren wurde dieses Hotel erst 4 Monate vorher eroeffnet. Wir waren erleichtert. Nach kurzem Bad sanken wir muede ins Bett. Wir haben es gut getroffen. Wir haben das Hotel nicht gewechselt und auch vor der Weiterreise wieder benutzt.

Es war der uebliche Ankunftsschock, und das bei Nacht. Ueberall wo Touristen ankommen, an Bahnhoefen, Flugplaetzen, Busstationen etc., versammeln sich die uebelsten Typen einer Gegend, um aus der Unwissenheit der Ankoemmlinge das schnelle Geld zu schlagen. Bei Nacht in einem unbekannten Land ist das besonders schlimm. In diesem Fall hatten sie kein Glueck.

Chittagong

Die folgenden Tage in Dhaka merkten wir sehr bald, dass wir hier recht gut klar kommen konnten. Wir beschafften uns Info's, besuchten interessante Punkte und regelten dies und jenes, so auch das Zugticket nach Chittagong. Am Abfahrtstag war landesweiter Generalstreik. Unser Zug fuhr gluecklicherweise trotzdem. Wie wir spaeter erfuhren musste er fahren, denn in den ersten Wagen wurde eine Armeeinheit nach Chittagong transportiert.

Durch die Slums der Aussenbezirke von Dhaka wurden die Glasfenster hoch und die Alugitter herunter geschoben, um die Scheiben und unsere Koepfe vor Steinwuerfen zu schuetzen. Wir waren allein im 1.Kl. Wagen. Die Slums reichen direkt bis an den Bahnkoerper heran. Es sieht hier schlimmer aus als in den uebelsten Ecken Indiens, und es stinkt bestialisch. Zur Arbeit sind diese Leute nicht zu gebrauchen. Es mangelt nicht nur an Ausbildung und Willen, es fehlt auch jegliches Denkvermoegen. Ausser Hand aufhalten, moeglichst im Liegen, ist da nichts drin. Die Leute haben viel Zeit und vermehren sich wie die Ratten. Aus allen Dreckloeschern quellen Scharen von Kindern. Wenn die Regierung das Land vorwaerts bringen will, kann sie sich mit diesem Problem nicht aufhalten. Ich meine hier hat sie laengst aufgegeben.

Wer in Bangladesh Arbeitswillen und nur etwas Denkvermoegen hat, kann sich zumindest satt essen und eine bescheidene Unterkunft finden. Wer etwas Ausbildung hat kann anstaendig leben, und mit gutem Bildungsstand ( etwa mitteleuropaeischer Durchschnitt ) kann man sehr gut leben. So haben wir das zumindest empfunden. Die Slums kann man meiner Ansicht nach nur austrocknen, d.h. kostenlose Verhuetungsmittel in unbegrenzter Zahl. ( Weiterverkauf strafbar. ) Unsere Geburtenschutztheoretiker sollten mal fuer einige Jahre in so ein Slum umziehen, damit sie wissen wovon sie ueberhaupt reden. Irgendwann wird ueberall das Boot voll sein. Die Erde bietet keinen unbegrenzten Lebensraum.

Wir fuhren durch schoene Landschaften mit grossen Flaechen von Nassreisanbau. Es wird staendig angebaut. Waehrend reife Felder gelb leuchten, stehen Neuanpflanzungen in frischem Gruen. Daneben stehen Stoppeln und ein Stueck weiter wird gerade der schlammige Boden gepfluegt, oder es werden Setzlinge in die ueberschwemmten Felder eingebracht. Die Menschen hier sind fleissig. Ein krasser Gegensatz zu den Leuten in den Slums.

Bei der Ankunft in Chittagong stuermte eine Schar bettelnder Kinder unseren Wagen. Auf dem Bahnsteig wurden es immer mehr. Erst kurz vor der Bahnhofshalle, schaffte ein mit dem ueblichen Holzknueppel ausgeruesteter Polizist etwas Ruhe. Alle Sitze in der Wartehalle waren, als wir dort ankamen, bereits durch die vor uns ausgestiegene Armeeinheit belegt. Wir fanden einen Platz im Bahnhofsrestaurant. Nach kurzem Imbiss begab ich mich, wie ueblich ohne Gepaeck, auf Hotelsuche. Ein Haufen Schlepper folgte mir. Ich machte einige Runden schnellen Schrittes um einige Haeuserblocks. Bald gaben einige auf. Ich wechselte die Richtung und ging nochmals am Bahnhof vorbei. Eine am Strassenrand campierende Nutte rief mir zu : "I love you, i will taxi you". Offenbar hatte sie wohl uebersehen, dass sie vor Gebrauch erst mal 2 Wochen gewaessert werden muesste.

Ich nahm Kurs auf das Golden Inn, ein Hotel der Oberklasse. Vor dem Eingang standen zwei Polizeiposten. Nun blieben auch die letzten Schlepper zurueck. Raeume und Preis/ Leistungsverhaeltnis schienen i.O. Wir zogen dort ein. Damit hatten wir Ruhe vor den Schleppern. Es gibt dort auch ein schoenes Restaurant. Lobster und Speiseeis standen allerdings nur auf der Karte. Am anderen Morgen sahen wir auf der Titelseite der unter der Tuer hindurchgeschobenen Zeitung ein grosses Farbbild mit der Armeeinheit beim Einsatz im Hafengelaende von Chittagong. Zwei Bomben waren hochgegangen und es brannte. Desgl. In den Hill Tracts nordoestlich von Chittagong.

Ein paar hundert Leute wurden verhaftet. Drei Anfuehrer wurden noch gesucht. Es handelt sich um eine Minderheit die einen Gottesstaat errichten will, dafuer aber keine Stimmen bekommt. Solche Leute haben oft ihr eigenes Demokratieverstaendnis. Danach war wieder Ruhe im Land. Alle Leute gingen ihrer Arbeit nach. Wir sahen uns einige interessante Gebaeude an, und verbrachten einige Zeit im sehr originellen alten Markt. Wir erlebten auch welche Schwierigkeiten Amexco gelegentlich hat die eigenen DM Traveller Schecks einzuloesen. Tags darauf ging es per Bus nach Cox's Bazar.

Cox's Bazar

Ankunft bei Dunkelheit. Die ueblichen auf die Provision der Hotels ausgerichteten jungen Burschen fehlen nicht. Wir laufen los und lassen unsere quasselnden Begleiter nach kurzer Zeit hinter uns. Fuer die erste Nacht finden wir nur ein ungemuetliches Hotel. In einem bescheidenen Restaurant erhalten wir Fisch und Chips.

Am Morgen begebe ich mich auf Hotelsuche und werde bald fuendig. Etwas teuer aber recht schoen, wieder Oberklasse. Was sonst noch da ist ist voll oder recht bescheiden. Danach allg. Orientierung, Fischmarkt, Hafen und Strand, sowie Flugticketkauf.

Ansonsten besuchen wir waehrend unseres Aufenthaltes noch die buddhistischen Einrichtungen beim nahegelegenen Ramu und auf der vorgelagerten Insel Maheskhale. Der hochgelobte breite und 120 km lange Sandstrand reizt uns wenig. Von Indonesien her sind wir verwoehnt. Besonders imponierend finden wir die vielen schwarz beflaggten Boote der Mok's. Ihre Vorfahren machten einst zusammen mit den Portugiesen die Meere dieser Gegend unsicher. Da klingt noch etwas Seeraeuberromantik nach.

Comilla

Den kurzen Trip nach Comilla haben wir nur unternommen um die buddhistischen Klosterruinen bei Mainamati zu besichtigen. Das haetten wir uns sparen koennen. Unweit von Raigir in Indien haben wir besseres in gleicher Art gesehen. Das Interessante auf diesem Trip waren die Menschen in unserem kleinen abendlichen Esslokal.

Mongla / Kulna

Eigentlich waren die Sunderbans geplant. Aber die Schiffe nach Kulna waren zum gweuenschten Zeitpunkt voll ausgebucht. So blieb nur eine allg. Informationstour. Die verspaetete Schiffsreise Dhaka – Mongla war sehr angenehm. An den Ufern konnten wir interessante Huettendoerfer und ihre Menschen sehen. Die Ankunft war selbstverstaendlich mit Verspaetug, d.h. bei Dunkelheit.

Die Fahrgaeste der Nachbarkabine, eine Familie aus Mongla, halfen uns bei der Verhandlung mit dem Rikshafahrer. Das von uns ausgesuchte Hotel ( angeblich die Nr. 1 in Mongla ) stellte sich als unser schlechtestes in Bangladesh heraus. Es war zu spaet um noch grosse Ansprueche zu stellen. Das Essen einfach und billig, die Nachtbar sehr laut bis gegen 03:00 morgens. Gegen 05:00 erfolgte die Krachabloesung durch den Mezzuin. Das Personal zeigte sich sehr freundlich, aber ohne jegliche Englischkenntnisse. Der englisch sprechende Manager war meist sehr muede und schlief bis spaet in den Vormittag.

Wir unternahmen eine kleine Bootstour zum 5 km entfernten Forest Office. Einige Axishirsche, Krokodilbabys und Schildkroeten waren zu sehen. Mit Infos sah es schwach aus. Die in Mongla angebotenen Boote erschienen uns nicht sehr sundarbangeeignet.

Am Folgetag ging es per Minibus nach Kulna. Wir fanden ein gutes Hotel mit heisser Dusche. Das war schon etwas. Auch ein gutes Restaurant mit Lobster etc. war vorhanden. Wir konnten weitere Moeglichkeiten fuer die Sundarbans  erfragen, allerdings nur fuer die naechste Reise. Unser Weiterflug nach Kuala Lumpur hatten wir schon fixiert und wollten daran nichts aendern. Ausserdem legen wir in den Sundarbans grossen Wert auf Vollmondnaechte. Ein Abstecher nach Bagerhat / Sat Gombad rundete unseren Aufenthalt in diesem Gebiet ab.

Somargon

Die alte bengalische Koenigsstadt Somargon, 20 km von Dhaka und per Bus erreichbar, bildete den Abschluss unseres Bangladeshaufenthaltes. Hier geht es etwas touristischer zu, allerdings Bangla-Touristen.

Die Abreise vom Dhaka-International-Airport war genau so chaotisch wie die Ankunft. Scheinbar sammelt sich der Abschaum von ganz Bangladesh an diesem Ort. Da gibt es auch kein halten vor dem Flughafengebaeude. Da greifen dreckige Gestalten nach Gepaeckstuecken um sie auf das Transportband zu legen und fuer diesen unerwuenschte Handgriff Geld zu verlangen, da sind selbsternannte Geldwechsler und sonstige undurchsichtige Gestalten. Kinder naechtigen in den Toiletten etc. Alles ist dreckig.

In der Wechselbank fuer den Taka-Ruecktausch ( der Einzigen in ganz Bangladesh ) mache die Angestellten wieder ihre privaten Geschaefte. Quittungen gibt es grundsaetzlich nicht. Auszahlbetraege werden nach unten abgerundet. Harte Waehrung ist kaum vorhanden. Der Bankangestellte musste erst die Banken der Ankunftshalle abklappern um mir 82.- Dollar auszahlen zu koennen. Eigentlich waeren es 84.- gewesen, aber die fehlenden 2.-USD waren nicht aufzutreiben. Dafuer bekam ich dann 70.- Tk zurueck, was auch wieder zu wenig ist.

Erst nach der 2ten Sicherheitskontrolle erreichten wir einen abgeschirmten Raum. Wir waren froh als wir endlich in unserer saubere MAS Maschine, mit iherem angenehmen Sitzkomfort sassen. In den Biman Voegeln sind alle Sitze zwecks Erhoehung der Transportkapazitaet so eng montiert, dass kaum die Knie dazwischen passen. Fuer lange Oberschenkel ist da nur Diagonallage moeglich. Beim Abflug von Kathmandu veranlasste das einen Englaender zu der Bemerkung, er fuehle sich wie in Einem Localbus.

Gedanken zu Bangladesh

Bangladesh begeistert vor allem durch seine aeusserst freundlichen Menschen und das sind mehr als 99 % der Bevoelkerung. Aber es gibt auch staendig Ueberfaelle auf Nachtbusse und Boote etc. Im ganzen Land herrscht politische Unruhe, obwohl die Mehrzal der denkfaehigen Bevoelkerung die derzeitige Regierung fuer gut haelt. Es gibt jaehrlich ca. 120 z.T. landesweite Streiktage, die von extremen Gruppen durch Schikanen und gelegentlich auch mit Waffengewalt erzwungen werden.
Um die Stimmung anzuheizen verwendet man lautsprecherbestueckte Skooter. Vom Zimmer aus hoert sich das an als waeren bruellende Menschenmassen in den Strassen. Dabei bewirken das nur wenige Akteure. Es erinnert an die Heilrufe aus den Radios der Hitlerzeit. Insg. nehmen das die meisten Banglis gelassen hin. Die Gefahr besteht nur darin, dass viele von ihnen geistig sehr weit unten, und somit leicht manipulierbar sind. Unter den etwas denkfaehigen Menschen gibt es leider viele fuer die Hitler als Vorbild gilt, ohne dass sie ueberhaupt richtig wissen was fuer ein Typ das war.

Aber wenn man sich an diesen Negativposten nicht stoert, die vorwiegend nur in den Ballungszentren auftreten, kann man Bangladesh gut bereisen. Es gibt interessantes zu sehen und auch schoene Landschaften. Es gibt, wenn man etwas mehr ausgibt als in den Nachbarlaendern, recht ordentliche Hotels und gutes Essen. In der Provinz wird es allerdings gelegentlich etwas spartanischer. Laestiger Herdentourismus ist unbekannt.

Der Transport ist oft etwas schwierig. Beschriftungen nur in Banglibuchstaben, auch die Zahlen. Fehlende Ortskenntnis bei der Bevoelkerung. Allg. Verkehrschaos ueberall. Ich weiss nicht ob es ueberhaupt Verkehrsregeln gibt. Jedenfalls beachtet sie niemand. Alle Ampeln stehen fast immer auf rot, aber keiner nimmt sie zur Kenntnis. Man waehlt  grundsaetzlich den kuerzesten Weg, notfalls  schraeg durch die Gegenfahrrichtung. Das Hauptverkehersmittel sind die Skooter und Rikshas. Ich weiss nicht ob ein Skooterfahrer jemals eine Fahrausbildung oder Pruefung machen muss. Die Polizei regelt bei Bedarf per Holzstock.

Wenn es einen sog. Flaschenhals gibt, rammelt alles laut hupend hinein. Jeder will nach vorn und schaut nur nach vorn. Irgendwann gibt es dann seitliche Beruehrungen und es verhakeln sich hervorstehende Blechteile. Narben aus frueheren Strassenkaempfen. Evtl. wird auch mal ein kleineres verhaktes Fahrzeug mal ein Stueck mitgeschleift. Das ist nicht unbedingt ein Grund gleich zu halten. Obwohl nur das noetigste gerichtet wird, haben die Blechschlosser auf Jahre Arbeit. Die Busse schneiden aufgrund ihrer Blechstaerke am besten ab im Strassenkampf.

Um die Geschwindigkeit in Grenzen zu halten wurden zahlreiche Querhoecker ueber die Strassen von Dhaka asphaltiert. Einen Skooterfahrer stoert  soetwas nicht. Nur der fast ungefedert ueber der Hinterachse sitzende Fahrgast ist betroffen. Nach einer Fahrt quer durch Dhaka, nur um einen TC zu wechseln, habe ich mein Kreuz und saemtlich Rippen ueber gut 4 Wochen gespuert.

Wenn es von der Streckenlaenge her moeglich war, habe ich deshalb die langsamen Rikshas bevorzugt. Die haben aber andere Probleme. Die Ortskenntnis der Fahrer reicht meist nur fuer die allernaechste Umgebung. Wenn ihnen der Hotelmanager die Strecke erklaert, haben sie das meist spaetestens nach der dritten Querstrasse vergessen. Spaeter kommt ihnen dann auch noch das Ziel abhanden. Sie moechten vom Fahrgast eingewunken werden. Da aber weder wir noch der Fahrer die Banglabuchstaben lesen koennen, sind wir nicht in der Lage mit dem Stadtplan zu vergleichen. Zaehlen geht auch nicht, da nur die wichtigsten Strassen im Plan sind. Auch sonst stimmt nicht alles im Plan. Der Erfolg einer Rikshafahrt bleibt deshalb immer ungewiss. Notfalls muss man das letzte Stueck fragend zu Fuss zuruecklegen.

Zum Strassenverkehr waere noch viel zu sagen. Das wichtigste ist die Fuesse immer in Richtung Fahrzeugmitte zu verstauen. Bei einer Skooterfahrt vom Hotel zum Hafen ( ca. 20 min. ) zaehlten wir 7 seitliche Karambulagen mit hochgebogenen Schutzblechen etc., von denen unser Fahrer nicht einmal notiz nahm. Er hatte den Blick immer nur zielstrebig nach vorn gerichtet. Nur als ein Kleinbus von hinten rammte ( Vorderradgabel verbogen ) da hat er mal nach hinten geschaut.

Aber nicht nur im Strassenverkehr schauen die Banglis zielstrebig nach vorn. Es wird viel gebaut, und das auch modern und schoen. Vielerorts laesst man die Betoneisen ueberstehen, ein Zeichen dass es irgendwann, wenn wieder Geld da ist, weitergehen soll. Viele Banglis sind stolz auf ihr Land und auf die 1971 erkaempfte Freiheit.

Der Islam wird von der Mehrheit recht locker gehandhabt, was scheinbar einige Extremisten stoert. Alkohol ist, abgesehen von christlichen Gebieten, eine Seltenheit. Insgesamt hat es uns gefallen. Wir wollen wiederkommen. Oft wurde uns "Ali Baba" nachgerufen. Zunaechst wussten wir nicht was das bedeutet. Es heisst :"Passt auf dass ihr nicht unter die Raeuber geratet". Das ist nicht ohne Grund.



CYLON     05.01. – 15.02.98

Nach naechtlicher aber unkomplizierte Ankunft in Colombo hatten wir bald unser ausgewaehltes Hotel erreicht. Am folgenden Morgen standen dann gleich 3 Mann der Taxiagentur auf der Matte und wollten uns eine Rundtour andrehen. Ihr Anfuehrer sagte uns wir waeren zu alt um so etwas selber zu organisieren. Ich sagte ihm : "Du hast mich einen alten Mann genannt, mit dir rede ich nicht." Ich spielte den Beleidigten und liess ihn stehen. So waren wir die Typen sehr schnell los.

Visaverlaengerung, Ticketbeschaffung und alles was sonstnoch zu erledigen war ging recht schnell. Cylon ist ein sehr einfaches Reiseland. Ein paar Strassensperren an wichtigen Punkten kann man uebersehen. Die Armee scheint den Buergerkrieg im Griff zu haben.

Am Folgetag ein Bummel durch Colombo, dann gings per Zug nach Anuradhapura. Obwohl wir Leihfahrraeder hatten, haben wir uns zwei Tage Zeit genommen fuer die Ruinenstadt. Im gleichen gemuetlichen Stil haben wir die anderen interessanten Punkte des sog. Kulturellen Dreiecks ( Mihintale, Polonaruwa, Sigiriafelsen, Dambullahoehlen, Nalanda und Kandy ) bereist. Die Zwischenstrecken immer per Localbus. Die Hotels waren recht gut. Das Schlepperproblem begann erst im Sueden. Aber es gibt in einem solchen Lande selbstverstaendlich keine Abenteuer. Auch nicht fuer Individualtouristen. Selbst der Verkehr laeuft recht sittsam, was nach Bangladesh eine echte Erholung darstellte.

Zwei Tage nachdem wir den Zahntempel besucht hatten ging dort eine Bombe hoch  ( 12 Tote, 25 Verletzte ). Aber da waren wir schon in Nurelia. Dort explodierte nur eine kleine Zeitzuenderbombe in der Trafostation, was 24 Stunden Stromausflall bedeutete. Wir wohnten hier im ehemaligen Haus des britischen Gouverneurs. Dort laeuft alles noch sehr konservativ ab. Zahlreiche bedienstete stehen staendig in Wartestellung. Normalerweise geht mir so etwas sehr schnell auf den Wecker. Doch hier waren die Leute sehr gut erzogen und in Zurueckhaltung geuebt. Da ist es ertraeglich.

Wir sahen uns eine Teefabrik an und liessen uns die Arbeitsgaenge erklaeren. Man ist stolz darauf den besten Tee der Welt zu produzieren. Die mechanischen Einrichtungen dazu sind allerdings sicher nicht die besten der Welt.

Die Fahrt nach Ella ist recht schoen. Es geht durch eine Huegellandschaft mit riesigen Teeplantagen. Der Zug faehrt gemuetlich langsam und hat nur 3te Klasse Wagen. Nachts wird es kalt in dieser Gegend und man braucht Brennholz. Wie wir feststellen konnten, sind die Sitzbretter der Waggons dafuer hervorragend geeignet. Die Diebe hatten nur die Rahmen der Sitzbaenke uebrig gelassen.

In Ella besuchten wir wieder Teeplantagen, bestiegen den Sentangani Mountain, wanderten zu einem kleinem Felsentempel, und ich schaffte es auch noch bis zu der Felsenhoehle empor, in der laut Legende die Prinzessin Sita gafangen gehalten wurde bis sie der Affengott Hanuman befreite. Die Hoehle liegt am oberen Ende eines sehr steilen Dschungelhanges, und der Zustieg ist fast zugewachsen.
Meine Trekkingsandalen waren offenbar nicht ganz das richtige Schuhwerk, zumal ich meine Fuesse ( und natuerlich auch etwaige Giftschlangen ) im dichten Buschwerk kaum sehen konnte. Etwas Glueck braucht der Mensch gelegentlich.

Richtung Sueden bekamen wir dann diverse Schlepper zu spueren. Das begann schon beim Umsteigen in Wellawaya. In Hambantota wurde diese Zunft dann sehr aktiv und laestig. Ich habe die Typen ueberlistet und Inge hat sie lauthals aus dem Restaurant verwiesen.

Bei einem kleinen Abstecher in den Bundala Nationalpark hatten wir auch Glueck. Wir haben einen recht sympathischen Jeepfahrer gefunden, der es schaffte, dass wir nur sehr wenigen anderen Jeeps begegneten. Dadurch waren unsere Chancen Tiere zu sehen recht gut. Die restlichen Tage verbrachten wir in der Bucht von Unawatuna am Strand, und mit einem Tagesausflug ins 10 km entfernte Galle. In Galle wurden so nebenbei 6 Tamilen samt ihrer Bomben festgenommen, bevor sie die Dinger zuenden konnten. Von einem erneuten Attentat in Colombo hoerten wir nur im Radio.

Eine kleine Minderheit die an die Macht will ohne demokratische Mehrheitschancen zu haben, verbuendet mit einigen Verrueckten, kann ein Land schon boes tyranisieren. Den Selbstmordattentaetern verspricht man sozialen Aufstieg im naechsten Leben. So einfach ist das ! Die Abspaltung eines Landesteiles dient nur den Machtgeluesten einiger weniger.

Dieser schoene Planet war einmal ohne Grenzen und ohne Herrscher. Wozu braucht eine kleine Insel eine zusaetzliche Grenze und eine 2te Regierung ? Mir faellt da Nietzsche ein : " Hin zum Thron wollen sie alle, diese kletternden Affen – als ob das Glueck auf dem Thron saesse .....usw.".
Zwei Tage fuer Einkaeufe etc. in Colombo bildeten den Abschluss unseres Cylonaufenthaltes.


LAOS    19.02. – 04.04.98

Bei der Ankunft lief alles ueberraschend unkompliziert und ruhig ab. So blieb es auch. Wir fanden ein nettes kleines Hotel mit freundlichen Leuten und nebenbei ein kleines Restaurant direkt am Mekong. Zunaechst standen div. Erledigungen an. Nebenher besuchten wir die Wats in der Umgebung unseres Hotels. Dann flogen wir mit Zwischenlandung in Savannakhet, nach Pakse. Beim Abendbummel fanden wir die Bootsanlegestelle fuer Champasak. Am naechsten Morgen sassen wir im Publicboot.

In Champasak brachte uns ein Tuk Tuk ins Hotel und gleich weiter zum Wat Phou. Die gewohnten Aufdringlichkeiten der Fahrer fallen in Laos weg. Wat Phou, ein Vorlaeufer von Angkor, ist recht interessant. Wir nahmen uns viel Zeit zur Besichtigung. Unser Fahrer wartete im Schatten. Anderentags setzten wir die Bootsdtour bis Don Khong Island fort. Das dauerte den ganzen Tag. Vielmals legten wir an und sahen zahlreich Minidoerfer und ihre Bewohner, vor allem viele Kinder.

Es wurde schon dunkel als wir die Insel per Tuk Tuk ueberquert hatten. Das angesteuerte Hotel war voll. Schliesslich fanden wir bei einer ueberaus geschaeftigen Chinesin Quartier. Sie vermietete alles, auch Gaenge und Balkons. Wir bekamen das letzte noch freie Zimmer. Die Chinesin schaffte uns auch gleich noch in ihr Restaurant, und vermittelte uns ein Boot fuer den naechsten Tag. Sie bot auch noch eine Party mit Tanzgruppe und einen Bus fuer die Rueckfahrt nach Pakse an. Mal ganz etwas anderes als die ruhigen Laoten, aber nicht aufdringlich.

Das Restaurant war gut. Im Boot dienten wir allerdings nur als Fuellmaterial um die Bootstour einer Reisegruppe oekonomischer zu gestalten. Trotzdem, Landschaft und Wasserfaelle bis hin zur Grenze nach Kambodscha haben wir gesehen. Auf die Party und den Rueckreisebus haben wir dann gleich verzichtet. Wir lernten ein nettes polnisches Paar auf der Hochzeitsreise kennen. Wie sich spaeter herausstellte, handelte es sich um die Tochter des polnischen Botschafters. Gemeinsam setzten wir am naechsten Morgen mit einem kleinen Boot nach Hat Xai Khun ueber, und fuhren von dort mit einem leicht ueberfuellten oeffentlichen Bus nach Pakse zurueck.

Unsere vorher besorgte Flugticketreservierung ging daneben. Nach zweimaliger Diskussion bekamen wir ein Ticket nach Savannakhet fuer den naechsten Tag. 05:30 am Morgen waren wir am Flughafen. Aber es gab keine Zwischenlandung in Savannakhet. Da haben wir aufgezahlt und sind nach Vientiane geflogen. Dort Visa fuer Vietnam und Verlaengerung fuer Laos, alles schnell und problemlos. Danach Weiterflug in die Ebene der Tonkruege. Der Vogel war nochmal eine Nummer kleiner und wie ueblich Russenschrott. Beim Landeanflug sahen wir zahlreiche Bombentrichter des Indochinakrieges.

Auf dem Flugplatz von Xieng Khouang begegneten wir dem ersten aufdringlichen Laoten. Er wollte uns in ein Hotel bringen und Touren vermitteln, natuerlich alles zu ueberhoeten Preisen. Als wir nicht zusagten wollte er uns sogar gratis fahren, wahrscheinlich wegen der Hotelprovision. Wir haben ihn stehen gelassen und zusammen mit zwei Schweizern ein Tuk Tuk genommen.
Aber der Typ liess nicht locker. Er erschien vor dem Hotel und wollte uns eine Fahrt zu den Tonkruegen , mit ihm als Fahrer, vermitteln. Wir gingen in den Markt zum Essen und zum Fotografieren. Wir sahen u.a. wie Huehnerfuesse gegrillt wurden, eine in dieser Gegend uebliche Delikatesse. Spaeter fand ich einen Fahrzeugbesitzer, wie Tuk Tuk, aber mit 4 Raedern. Ich handelte mit ihm eine Rundtour fuer den naechsten Morgen aus. Das war nicht einfach, denn er sprach nur laotisch. Schliesslich fanden wir einen Dolmetscher. Die beiden Schweizer und ein Schwede wollten auch noch mitfahren. So war es recht preisguenstig.

Am naechsten Morgen stand unser Fahrer bereits vor dem Hotel, und der aufdringliche Typ gleich noch dazu. Waehrend wir unsere Tickets fuer den Weiterflug holten, hat der Typ unseren Fahrer eingefluestert, er muesse zunaechst bei der Touristenorganisation vorbeifahren, das waere so Vorschrift. Dort war der Typ wieder zur Stelle, und einer von den Kadern der Vergangenheit dazu.

Sie haben dann unseren Fahrer eingeschuechtert und ihm eingefloesst, er duerfe das nicht, es wuerde eine Sonderlizenz benoetigt, es gaebe strenge Polizeikontrollen und vieles mehr. Das ging solange bis unseren Fahrer der Mut verliess. Uns wollte der Funktionaerstyp die Sache auch noch verklickern. Aber wir kennen solche Sachen schon von abgelegenen Ecken in Burma und Vietnam, wo gleiche Typen ihre Monopolstellung, auch mit Luegen und Druck, sehr hartnaeckig und so lange als moeglich verteidigen.

In Burma und Vietnam gelang es uns diese Leute zu ueberlisten. Hier hatten wir keine Chance, weil wir ohne Dolmetscher nicht mit dem Fahrer sprechen konnten. Am Ende erzaehlte mir der Funktionaer noch, dass er in den 80er Jahren in Deutschland studiert habe. Mir lag es auf der Zunge zu sagen :"Dieses Deutschland gibt es nicht mehr, und es ist gut, dass es das nicht mehr gibt". Doch das haette nicht viel Sinn gehabt. Wir waren extra wegen der Tonkruege hierher geflogen, und waren momentan von diesen Leuten abhaengig. Die Schweizer und der Schwede haetten sicher kein Verstaendnis gehabt, wenn unser Trip wegen eines Meinungsstreites geplatzt waere.

Der ungewollte Fuehrer sass nun im Fahrzeug, aber wir haben nur den mit unserem urspruenglichen Fahrer ausgehandelten Preis gezahlt, d.h. nur den Transport. Mit einer deutlichen Bemerkung brachte ich ihn schliesslich zum Schweigen, was auch den anderen Mitfahrern recht war. Dieser Zwischenfall und der Streit um einen fehlenden Stempel in Luang Prabang waren die einzigen Negativposten in Laos.
Die Tonkruege sind 3000 Jahre alte Gefaesse deren Sinn noch nicht erforscht ist, aehnlich wie auf Sulawesi, nur stehen sie hier in groesserer Zahl.

Im wunderschoenen Luang Prabang mit seinen zahlreichen Wats bekam ich Probleme anderer Art. Eine verletzte Zehe eiterte und begann sich zu entzuenden. Der ganze Fuss war so stark geschwollen, dass ich zweimal das Krankenhaus zwecks Behandlung aufsuchen musste. Es sah nicht unbedingt steril aus. Aber das Personal war sehr bemueht. Ich hoffte dass die Geraete einigermassen Sauber waren.

In Luang Prabang laesst es sich gut leben. Ruhige Strassen, alles kann man erlaufen. Es gibt schoene kleine Caf├Ęs und Restaurants im franzoesischen Stil, wahrscheinlich aus der Kolonialzeit stammend.
Auf dem Phou Si trafen wir einen laotischen Bauingenieur der zwischen 1990 und 1997 in Deutschland studiert hatte.. Da zeigte sich ein himmelweiter Unterschied zum ehemaligen Oststudenten. Dieser Mann war aufgeschlossen und kannte die Prinzipien vom freien Wettbewerb und Leistungssystem. Er hatte inzwischen einen guten Job in einem privaten Planungsbuero fuer Wohnhaeuser und kleine Industriebauten. Er meinte :"Sozialismus ist nicht gut, und die Russen haben alles nur rausgeschafft ".

Der naechste Flug brachte uns weiter nordwaerts, nach Luang Namtha. Mit Hotels und Restaurants wird es hier wesentlich bescheidener. Dafuer hatten wir am naechsten Tag eine Minibusfahrt ( offenes Fahrzeug ) auf guter Strasse. Durch eine herrliche huegelige Dschungellandschaft gings nach Mua Sing, 10 km vor der chinesischen Grenze.

Wir trafen hier auf ein deutsches Entwicklungshilfeprojekt. Ich stehe diesen Dingern immer kritisch gegenueber, und habe schon so manches gesehen wo ich nur sagen kann, schade um die Steuergelder. Aber dieses war mit geringem finanziellen Aufwand recht sinnvoll und erfolgreich. Man versucht hier den Gesundheitszustand der Menschen durch groessere Hygiene zu verbessern. Das kostet nichts. Das koennen die Menschen selber erledigen, wenn sie die Zusammenhaenge wissen. Es gibt dazu auch eine einfache medizinische Grundversorgung. Wo Menschen aufgrund der hohen Population zu dicht leben, werden neue Doerfer errichtet. Das tun die Menschen auch selbst. Sie erhalten nur Beratung. Einzig die Wellblechdaecher duerften nicht optimal sein.

Es wird Schulbildung angeregt. Dazu ist wenig erforderlich. Ein paar simple Baenke und Tische nach Lao-Art, unter einem Sonnendach. Inzwischen ist auch die Drogenberatung angelaufen. Durch Verbote ist hier im goldenen Dreieck des Schlafmohnanbaus nicht viel zu erreichen. Man versucht den Leuten die Schaedlichkeit des Opiums zu erklaeren, und sie zunaechst selbst vom Opium wegzubringen. Der Hintergedanke ist, dass Menschen wenn kein Eigenbedarf mehr besteht, auch den Anbau zurueckfahren und auf Gemuese uebergehen werden. Bis dahin wird eine lange Zeit vergehen. Erste Ansaetze sind schon gemacht.

Die groesseren Ueberlebenschancen bringen auch Probleme mit sich. 10 Kinder pro Familie das ist normal. Frueher starben davon 7 im Kindesalter. Heute ueberleben neun. Die sind mit 16 geschlechtsreif und zeugen wieder 10 Kinder pro Familie. So setzt sich das fort. Fuer jedes neue Dorf muss neu Dschungel abgebrannt werden. Vom Flugzeug aus sieht man ueberall Rauchwolken aufsteigen. Irgendwann ist jedes Boot voll. Auch bezueglich Verhuetung ist aufklaerung angebracht. Aber koennen Europaeer Vorbild sein, wenn ein anderer Europaeer durch die Welt reist und gegen Verhuetung wettert ? Eine Welt von impotenten Heiligen wird man wohl nie erreichen.

Nach eingehender Information haben wir uns Leihfahrraeder besorgt und sind damit in die Bergdoerfer gefahren. Teilweise war es steil und wir mussten schieben. Auch bergab mussten wir grosse strecken laufen, weil die Bremsen nicht funktionierten. Vorwiegend waren wir bei Akha Staemmen. Wir sahen dort auch Opiumraucher die nicht mehr arbeitsfaehig sind. Ansonsten ist die Sozialstruktur der Akhas recht interessant. Die Frauen erledigen die Feldarbeit. Dabei werden die Saeuglinge auf den Ruecken gebunden. Einige Frauen bleiben im Dorf  und uebernehmen die Betreuung der groesseren Kinder, die im Dorf zurueckbleiben.
Die Maenner schneiden Staemme zu Brettern, bauen Haeuser, uebernehmen Transportarbeiten und sitzen nutzlos herum wenn gerade nichts ansteht. Manche schiessen Voegel, was weniger schoen ist. Einige rauchen Opium, andere trinken Schnaps. Aber betrunkene haben wir nicht gesehen. In den Doerfern gibt es, aehnlich wie in Bena auf Flores, drei Kategorien von Haeusern. Die grossen Haeuser sind die Wohnhaeuser der Familien. Die mittelgrossen Einraumhaeuser sind Speicher oder Junggesellenhaeuser. Die kleinen Haeuser ( wie uebergrosse Vogelbauer ) sind sog. Geisterhaeuschen. In Bena ist das auch so, nur ist dort ein Teil der mittelgrossen Haeuser fuer die Seelen der Toten, d.h. sie stehen leer. Alles steht auf Stelzen.

Die Junggesellenhaeuser werden von den Burschen bezogen sobald sie die Geschlechtsreife erreicht haben. Pro Haus 1 Bursche. Im Gegensatz zu Bayern gehen hier die Maedchen zum Fensterln. Aber nur zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Sie muessen unbedingt vor Sonnenaufgang wieder daheim sein. Das ist Grundbedingung. Was sie die Nacht ueber treiben ist ihre Angelegenheit. Nach einer gewissen Testreihe entschliesst man sich irgendwann zur Heirat. Ein nicht geplantes Kind ist kein Heiratsgrund. Es ist auch nicht so wichtig zu wissen wer der Vater ist. Das Baby kommt wie ueblich auf den Ruecken, und bleibt spaeter zur Betreuung im Dorf zurueck. Diese Menschen sind sehr froehlich, leben ungezwungen und problemlos. Wenn neue Beduerfnisse geweckt werden wird sich das aendern.

Nach einigen Tagen fuhren wir zurueck nach Luang Namtha und flogen nach Hoe Say, an der Grenze zu Thailand. Von da gings per Mekong-Boot zurueck nach Luang Prabang. Bei einem Zwischenstopp in Pakbeng sah ich die Flagge der USA neben der Flagge von Laos auf dem Schreibtisch des dortigen Polizeichefs. Zeichen der Zeit erkannt ? Eine schoene Landschaft, einige Goldwaescher, eine Schnapsbrennerei und eine Hoehle nahe Luang Prabang waren weitere Sehenswuerdigkeiten unserer Reise.

Beim Abflug von Luang Prabang wollten uns ein paar korrupte Immigrationsoffiziere wegen eines angeblich fehlenden Stempels noch um einige Dollar erleichtern. Wir haben einfach nicht gezahlt. Das Ticket hatten wir ja, und die eingezogenen Paesse hat Inge entwendet waehrend ich mit den Leuten und einem herangeschafften Dolmetscher bezueglich des Stempels diskutierte. Am letzten Abend in Vientiane verabschiedete uns dann noch der polnische Botschafter, dessen Tochter wir im Sueden kennen gelernt hatten. Er liess es sich nicht nehmen uns zu vorgerueckter Stunde in unserem Hotel aufzusuchen. Sowas gibt es auch.

GEDANKEN ZU LAOS

In Laos schreitet die Entwicklung wesentlich langsamer voran als im Nachbarland Vietnam. Die vietnamesische Geschaeftigkeit passt wohl nicht zu dem noch sehr urspruenglichen laotischen Buddhismus. Aber auch die marxsche Philosophie des Neides passt nicht zu den Laoten. Es gibt eine freie Wirtschaft. Der als pragmatischer Kommunistenfuehrer geltende langjaehrige Staatschef  Kaysone Phomvihane hat den Sowjets gar nicht erst den Gefallen getan, die Einfuehrung von Kolchosen und Staatsbetrieben ueberhaupt zu versuchen.

Im Revolutionsmuseum haengen zwar die Portraets von Marx und Lenin, evtl. auf Wunsch der Sowjets, aber voellig komentarlos. Sie werden wohl so haengen bleiben. Es gibt sowieso kaum Besucher. Vielleicht wird spaeter mal ein Schild darunter haengen mit der Aufschrift : " Der Sozialismus ist ein Irrtum ".

Der laotische Weg von der franzoesischen Kolonie zum freien Staat ist schlicht und sachlich, anhand alter Bilder von meist schlechter Qualitaet, und ohne Propaganda  dargestellt. Die Russenperiode hat man weggelassen. Die Laoten waren wohl sehr froh als die "bruederliche" Kolonialmacht verschwand. Dafuer ist dem Aufbau durch Unesco und mit Hilfe westlicher Laender sehr viel Raum gegeben. Ich denke das zeigt wie die Laoten denken.

Die Laoten hatten unter dem Indochinakrieg viel zu leiden, obwohl sie in der erstem Phase nicht so direkt verwickelt waren wie die Vietnamesen. Doch als der Ho Chi Minh Pfad ueber ihr Gebiet fuehrte wurde auch Laos zum Zielgebiet amerikanischer Bombardements. Bei der Landung in Xieng Khuang sind die Bombentrichter noch gut sichtbar. Es gab noch andere Verwicklungen, wie Hmong Rekrutierung durch den CIA und Kriegsfinanzierung durch Opium etc., was auch Spuren hinterlassen hat.

Das Strassennetz ist in einem sehr schlechten Zustand. Die meisten Fahrzeuge stammen aus der Russenzeit. Damals musste im Ostblock gekauft werden. Alle Neuanschaffungen sind Mercedes und MAN. Die Jeeps kommen von Tojota. Auch die kopfschmerzerregenden russischen AC-Geraete werden, wenn ausgedient, durch japanische Geraete ersetzt. Nur die Inlandfluege muessen aus Geldmangel noch mit dem alten Russenschrott abgewickelt werden. Diese Knatterkaesten sind im ununterbrochenem Einsatz wie LKW's und Busse. Die Inneneinrichtung ist total verschlissen, und der Sicherheitsstandard kathostrophal. Wir haben es ueberlebt, und irgendwann wird auch das besser werden. Die enorme Freundlichkeit der Laoten hilft ueber alles hinweg.



VIETNAM    11.04. – 09.05.98

Es war unsere dritte Reise nach Vietnam. Die schnelle wirtschaftliche Entwicklung ist so eingetreten wie ich es schon 1994 erahnt hatte. Hotelsuche etc. kein Problem. Eine besondere Freude bereitete uns der Besuch bei einem jetzt 24 jaehrigen Maedchen. Ich hatte sie zum Tet-Fest `94 in einem Cafe, wo sie als Bedienung arbeitete, hinter schoen verzierten Torten fotografiert. Spaeter schickte ich Ihr das Foto. Sie schrieb mir darauf, dass sie inzwischen einen Studienplatz fuer Oekonomie an der Uni in Hanoi haette, und dass wir sie irgendwann daheim besuchen sollten.

Eine kleine bescheidene Wohnung in einer engen Gasse, die wir erst nach langer Suche fanden, und eine sehr freundliche Familie erwarteten uns. Das Maedchen hatte in der Zwischenzeit die englische und die japanische Sprache in Wort und Schrift perfekt erlernt, und neben dem Studium in einer japanischen Firma gearbeitet. Wegen ihrer guten Leistung bekam sie von den Japanern einen Studienplatz in Tokio. Die Firma uebernimmt alle Kosten einschliesslich Uebernachtung, Verpflegung, Flug und Taschengeld. Als mir der Vater den Brief zeigte, den er selbst nicht lesen kann, konnte er vor Freude kaum sprechen und hatte Schwierigkeiten die Traenen zu unterdruecken. Uns ging es ebenso.

Als er sich beruhigt hatte, erzaehlte er mir, dass der 20 jaehrige Sohn inzwischen auch einen Studienplatz hat. Der Sohn beherrscht englisch, japanisch und chinesisch in Wort und Schrift, die 15 jaehrige Schwester besucht die Oberschule. Alle waren gluecklich, auch wir. Danach musst der Vater, trotz Sonntag, wieder zur Arbeit.

Fuer eine Fahrt in die NW Region charterten wir einen Jeep samt Fahrer. Der oeffentliche Verkehr in dieser Region ist sehr unregelmaessig und die Strassen sind z.T recht schlecht. Es wurde eine schoene und sehr interessante 7 Tage Tour. Die Landschaftb in dieser Gegend ist abwechslungsreich. Reisfelder zwischen bewachsenen Felstuermen wechseln mit dschungelueberzogenem Huegelland und Gebirgsgegenden mit Paessen und grossen Flusstaelern.

Wir sahen zahlreiche Minderheiten in ihrer typischen Bekleidung auf den Maerkten, am Wegrand, und auch in ihren Doerfern. Leider war es in den hoeher gelegenen Gegenden ziemlich nebelig, sodass alles zwar eindrucksvoll gespenstig wirkte, aber feurs Fotografieren ungeeignet war. Wir besichtigten auch das Schlachtfeld von Dien Bien Phu und das zugehoerige Museum. Das ist ein Beispiel fuer die mangelhafte Denkfaehigkeit mancher Spitzenpolitiker und Militaers.

Unser Fahrer war sehr sympathisch und so wollten wir nach 2 Tagen Hanoi noch einen 2ten Trip, diesmal nach NO mit ihm starten. Leider hatte er einen arg geschwollenen Fuss und konnte nicht. Wir mussten einen anderen Fahrer nehmen. Der war nicht ganz so lustig wie der Erste, aber auch ganz in Ordnung. Diesmal besuchten wir die Idylle von Pac Bo und den Nationalpark am Ba Ba See. Fuer diesen Tripp reichten 5 Tage.

In Pac Bo besuchten wir die Ho Chi Minh Hoehle, das Hauptquartier der Kaempfer in einer Rotanhuette und das zugehoerige Museum, sowie einige andere historische Orte. Ausserdem sahen wir wieder div. Minderheiten. Der Ba Ba See bietet, ausser einer tunnelartigen Hoehle, die man per Boot durchfaehrt, viel landschaftliche Schoenheit. Ausgangspunkt fuer den Bootstrip ist Cho Ra, mit einem kleinem Minoritaetenmarkt. Hier trafen wir, nach so viel angenehmen, mit einem Gauner zusammen, der uns beim Bootstrip ordentlich uebers Ohr hauen wollte. Sowas erleben wir leider irgendwann immer wieder. Aber wir haben inzwischen soviel Erfahrung, dass solche Typen allgemein leer ausgehen.

Wieder in Hanoi haben wir eine Tagestour zur Duftpagode unternommen. Da sind wir in einem Kleinbus des Red River Cafe mitgefahren. Das spart das vielmalige Umsteigen auf dieser kurzen Strecke und ist recht preiswert. Die erforderliche Bootsfahrt ist inbegriffen. Insg. waren wir 7 Traveller. Die sog. Duftpagode ist keine eigentliche Pagode, es ist eine Hoehle auf dem Gipfel eines dschungelueberwucherten Berges. Der Zustieg ist um diese Jahreszeit enorm schweisstreibend. Die Vietnamesen haben das sofort erkannt, und der ganze Weg ist von Getraenkekiosken gesaeumt. Auch eine Personenwaage ist am Einstieg positioniert, damt die Besucher den waehrend des Aufstieges erzielten Gewichtsverlust sofort ueberpruefen koennen. Wir waren jedenfalls klatschnass. Gewogen haben wir uns nicht.

Ausser den Getraenkebuden gibt es unterwegs eine groessere Zahl weiterer Hoehlen, die sich alle Pagode nennen, und auch richtige Chinesentempel und Kloester. In den Chinesentempeln werden ausser Buddha, Kong Fuzi, Laotse etc. auch Generaele ( z.B. derjenige, der die chinesische Flotte am Eingang der Halongbucht auf Stahlstangen spiesste ) etc. wie Goetter verehrt. In einem Tempel sah ich auch ein Wandgemaelde mit Ho Chi Minh als Wanderprediger. Die Vietnamesen sehen und verehren ihren Onkel Ho als Philosophen, Befreier vom Kolonialismus und Staatsgruender. Als Kommunistenfuehrer und Staatschef sehen ihn nur die noch regierenden, aber inzwischen ziemlich machtlosen Kader. Irgendwann wird er ein Heiliger sein.

Zum Abschluss waren wir noch in der Halongbucht und auf der Cat Ba Insel. Halong City, das 1994 noch Bai Chay hiess, haben wir kaum wiedererkannt. Es ist inzwischen sehr touristisch. Hotel steht an Hotel. Die Vietnamesen wissen ihr Land zu vermarkten. Aber sie tun es selber. Nicht wie in Nepal, wo andere abschoepfen und die Nepalis nur schlecht bezahlte Dreckarbeiten machen. Es ist gut, dass wir schon `94 hier waren. Den touristischen Rummel lieben wir nicht.

Fuer die Vietnamesen ist diese Entwicklung natuerlich posituv. Wir neiden es ihnen nicht. Wo frueher unzaehliche Fahrraeder fuhren, knattern jetzt ebensoviele Hondas. Man traegt nicht nur Hut und Stulpenhandschuhe gegen die Sonne, man traegt jetzt auch Mund- und Nasenbinde gegen die Abgase. Es gibt bisher nur relativ wenig Stau. Der wird erst kommen wenn die Vietnamesen von der Honda aufs Auto umsteigen. Das wird nicht lange dauern. Es ist nur verwunderlich, dass neben der Moderne der Schoepfbecher zur Bewaesserung der Reisfelder noch Bestand hat. Man sieht ihn sehr oft. Die Schoepfraeder aus Bambus, vom Fluss angetrieben, sind in der Minderzahl.


Zwei Abende bei Georg, dem Siemensrepraesentanten fuer Vietnam. Hier konnten wir noch einige interessant Dinge zum heutigen Geschaeftsleben erfahren. Auch das Ho Chi Minh Mausoleum haben wir besucht, und die Bambushuette nebenan von der aus er regierte. Zwangslaeufig kamen wir an der Einstammpagode vorbei, wo einige Vietnamesen fuer kurze Zeit in Andacht verweilten. May, Georgs Frau, eine Vietnamesin, bemerkte so nebenbei  :" All think, give me much Money ". Ganz unauffaellig steckte sie einen kleinen Schein in die Spendenbox. Man kann ja nie wissen.

GEDANKEN ZUM VIETNAMKRIEG

Ho Chi Minh kehrte Anfang 1941, nach 30 jaehrigem Exil, nach Vietnam zurueck. Er kam von China, das damals noch nicht Volksrepublik war, ueber die Berge bei Pac Bo, im Dschungel der Region Cao Bang, und lebte dort in einer Felsenhoehle. Er ernaehrte sich vorwiegend von Fischen aus dem nahe gelegenem klaren Fluss. Er zog wie ein Wanderprediger durch die Bergdoerfer der hier lebenden Nung's und Hmong's, und forderte sie zum Widerstand gegen die vom Mutterland abgeschnittenen Kolonialherren auf. Es war ein bescheidener Widerstand, der wohl hauptsaechlich in Verweigerung bestand. Militaerische Ausruestung hatte man nicht.

Ho Chi Minh muss ein bescheidener und romantischer Mensch gewesen sein. Er waehlte abgelegene Orte in einsamer Natur und einfache Huetten als Wohnstetten. In den spaeter fuer ihn errichteten Praesidentenpalast zog er nie ein. Er bevorzugte eine einfache Huette nebenan. Auch das Mausoleum wurde gegen seinen ausdruecklichen Willen errichtet. Man kann ihn wohl als einen indochinesischen Mahatma Gandhi betrachten.

Der Widerstand brachte keinen Erfolg. Nach den Franzosen erschienen die Japaner als neue Konolialmacht. Als diese 1945 abzogen nutzte Ho Chi Minh die Chance, die Republik Vietnam auszurufen. Die Verfassung der USA diente als Vorlage fuer die neue vietnamesische Verfassung. Damit haette die Sache ihr unblutiges Ende finden koennen.

Leider hatten einige hochrangige Herren in Paris nicht erkannt, dass mit dem Ende des 2ten Weltkrieges auch das Ende der Kolonialzeit gekommen war. Man wollte die ehemaligen Kolonien zurueckerobern. Die Franzosen landeten in der Halong-Bucht. Ho Chi Minh zog sich mit seiner Regierung in den Dschungel von Cao Bang zurueck. In der Zwischenzeit entwickelte sich der Ost-West-Konflikt. Die Sowjetunion und die neu gegruendete V.R.China belieferten die Ho Chi Minh Gruppe ab 1950 mit Waffen, um den Befreiungskampf auch bewaffnet fuehren zu koennen. In Wirklichkeit sollten die Vietnamesen einen Stellvertreterkrieg fuehren.

Nun wollten auch die USA nicht mehr tatenlos zusehen. Sie uebernahmen zunaechst einen wesentlichen Teil der franzoesischen Kriegskostenfinanzierung. Sie hatten kein koloniales Interesse. Sie wollten nur verhindern, dass sich der kommunistische Machtbereich weiter ausdehnt.

Um den Waffennachschub ueber Suedchina und Laos unter Kontrolle zu bekommen entschloss sich Frankreich, das im Nordosten gelegene Tal von Dien Bien Phu zur uneinnehmbaren Festung auszubauen. Da es kein entsprechendes Strassennetz gab, musste die Dschungelfestung taeglich aus der Luft versorgt werden. Kein Problem fuer die Franzosen, dank ihrer Lufthoheit. Die Amerikaner zahlten, und die Freiheitskaempfer hatten weder Flugzeuge noch LKW's.

Die Kontrolle des Waffentransportes, der ueber schmale Dschungelpfade lief, mittels eines Fixpunktes, muss wohl eine Schnapsidee gewesen sein. Die Waffen wurden in Einzelteile zerlegt und in Rucksaecken, auf Tragestangen, Fahrraedern, Ponys und Bueffelkarren unbemerkt auf die Hoehen um Dien Bien Phu transportiert. Diese Arbeit uebernahmen die diversen Bergvoelker die in dieser Gegend leben.

Am 13.03.1954 begann der Angriff. Dabei wendete man auf vietnamesischer Seite eine neue Technik an. Auf der Seite liegend grub man sich an das Hauptquartier des franzoesischen Gouverneurs heran und untertunnelte es. Am 06.05.1954 wurde dieses Hauptquartier mit 1000 Tonnen Sprengstoff in die Luft gejagt. Am 07.05.1954 retteten die Generaele ihr Leben durch die Kapitulation der Festung, nachdem sie tausende Soeldner nutzlos verheizt hatten. Die Franzosen zogen ab, d.h. sie gaben ihre kolonialen Ansprueche in Indochina insg. auf.

Wenn Indochina nicht dem kommunistischen Lager zufallen sollte, mussten die USA die Fortsetzung des Kampfes uebernehmen, auch ohne eigene koloniale Ansprueche. Eine Gegenregierung wurde in Saigon stationiert. Das rief die Russen und mit ihnen alle Ostblockstaaten auf den Plan. Der Stellvertreterkrieg war voll entbrannt. Die Voelker von Vietnam waren die Leidtragenden.

Als alles vorbei war hatte man eine neue Kolonialmacht, die sich Brudervolk nannte, die Russen. Das waren die schlimmsten Ausbeuter. Das muss man sich einmal vorstellen, die hochintelligenten Vietnamesen bekamen die zu 90% aus Primitivlingen bestehenden russischen Wodkabrueder als Vormacht uebergestuelpt. Man hatte die Freiheit gewollt, und bekam Zwangswirtschaft und Kommunismus.

Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks hat sich das alles kampflos geaendert. Marx und Lenin wurden wieder durch Kong Fuzi ersetzt. Einige der alten Schulen und Tempel waren noch vorhanden und wurden nun restauriert. Die  Vietnamesen, ein Volk von Unternehmern, koennen sich jetzt entfalten. Sie bekommen den Aufschwung den sie verdienen. Unternehmer brauchen keinen Marx. Der passt nur zu Schmarotzern die eine soziale Haengematte benoetigen.

Die vielen Rikshafahrer, die 1994 nach der Reduzierug der Streitkraefte in den Strassen Hanois zu sehen waren, sind fast verschwunden. Viele Vietnamesen haben jetzt ihre eigenen Hondas und brauchen keine Rikshas mehr. Die Leute haben sich neue Beschaeftigungen gesucht. Eine Haengematte steht nicht zur Verfuegung.

Die zu charternden Jeeps sind russischer Herkunft und aus ehemaligen Armeebestaenden. Die Fahrer sind jetzt freie Unternehmer und fuehren Transporte aller Art aus. Ihre Telefonnummern sind den Hotels, Restaurants, Cafes und Agenturen bekannt. Man kann sie anrufen lassen und vor Antritt der Fahrt besichtigen. Die Preise liegen zwischen 35.- bis 55.- USD incl. Fahrer und Kraftstoff pro Tag, je nach Zustand und Fahrer. Wenn der Fahrer etwas englisch spricht, schlaegt sich das natuerlich auf den Preis nieder. Japanische AC-Jeeps kosten 80.- USD pro Tag. Vietnamesen zahlen etwas weniger.

Vietnam ist heute kapitalistischer als die Industrielaender Europas, und zwar knallhart ! Der Kapitalismus ist der Motor des Aufschwungs ! Jeder sucht seinen Markt und alle wollen US-Dollar, die sie unter das Kopfkissen legen weil sie den Banken und der Landeswaehrung nicht trauen. Wuerde das gehortete Geld in die Wirtschaft fliessen, ginge der Aufschwung noch schneller. Ein paar alte Kader, die die Leute schikanieren um an Schmiergeld zu kommen, sieht man gelegentlich noch auf sehr abgelegenen Maerkten. Aber das ist sehr selten. Sie sind auf der Verliererseite. Ihre Tage sind gezaehlt.




THAILAND    12.05. – 28.05.98

Das Ende unserer schoenen Reise bildete ein 2 woechiger Aufenthalt auf Ko Tao, einer kleinen Insel vor der Ostkueste von Suedthailand. Die Anreiose war unkompliziert. Leider war der Himmel stark bewoelkt als wir die Insel erreichten. Entgegen unserer urspruenglichen Planung folgten wir der Empfehlung von zwei Englaendern und liessen uns per Bootstaxi zur Bungalowanlage an der Westkueste transportieren. Das war ein Reinfall. Die Bungalows vergammelt, die Stege aufgeweicht, Toiletten ausserhalb und auch nicht sauber. Die Wirtin in der Haengematte passte genau dazu.

Es war schwuel und heiss. Das Bootstaxi war weg. So machte ich mich per Fuss auf die Suche nach einer besseren Loesung. Inge blieb beim Gepaeck. Es lief besser als gedacht. Nach wenigen Metren erreichte ich eine neue Strasse und neue Anlagen. Nach einiger Zeit hatte ich gefunden was mir gefiel. Schoene neue Bungalows mit privater Dusche, WC, Fan, Moskitonetz und Balkon. Schoener Ausblick, saubere Anlage, eine nette Wirtin und eine gute preiswerte Speisekarte. Kostenpunkt ca. 7.- DM fuer den Bungalow. Das war schon was. Nur der Zugang zum Wasser war etwas kompliziert. Unser Bungalow lag oben am Berg.

Ich holte Inge und erkundete den guenstigsten Weg zum Strand, der leider nicht vorhanden war. Es gab einige Moeglichkeiten ins Wasser zu kommen, und das war klar und voller schoener Korallen. Fischschwaerme waren auch da. Leider fehlten die roten Farben. Aber was ist schon perfekt. Am naechsten Morgen wurde der Luxusbungalow der Anlage frei. Sieben Fenster und alle sehr gross, gefliesstes Bad, alles schoen luftig ganz oben auf einem Felsvorsprung. Kostenpunkt 12.- DM. Wir zogen um.

Ich habe spaeter zwecks Sondierung die Insel durchquert. Auf der anderen Seite fand ich eine schoene Bucht, aber keine schoenen Bungalows. Wir sind geblieben. Das Wetter wurde und blieb schoen. Wir haben kraeftig geschnorchelt, auch vor der kleinen vorgelagerten Insel Ko Nang Yuan. Inge hat Fische mit Reis gefuettet. Zeitweise war sie in Fischschwaermen kaum noch zu erkennen. Das war der Abschluss unsere schoenen Reise. Es soll nicht die Letzte gewesen sein.


Harry Rost, geschrieben Juni 1998

Asienbericht  1997-98 kurz
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updated  02.05.14

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